Klares Nein zum ICE-Werk bei Allersberg/Pyrbaum

Klares Nein zum ICE-Werk bei Allersberg/Pyrbaum

Beitrag vom 05. Juli 2022


Das geplante ICE-Werk an einem der im Raumordnungsverfahren untersuchten Standorte soll ein wichtiger Baustein in der geplanten Verkehrswende werden. Grundsätzlich ist vor dem Hintergrund des Klimawandels ein Ausbau der Schieneninfrastruktur auch notwendig. Gerade um den Individualverkehr von der Straße auf die Schiene zu verlegen, braucht es eine gute Infrastruktur für die Betreuung und Instandhaltung. Das dies nicht ohne Einschnitte von statten geht ist auch verständlich, dennoch ergeben sich hier für die verbliebenen möglichen Standorte erhebliche Bedenken.

Daniel Schuler, Gemeinderat aus Pyrbaum äußert sich hierzu insbesondere zu dem Standort Allersberg/Pyrbaum:

Die prinzipielle Notwendigkeit eines Ausbaus des Schienenverkehrs möchte ich nicht in Frage stellen. Allerdings sollte sich hierbei nicht ausschließlich auf den Ausbau der ICE Flotte konzentriert werden. Mindestens ebenso wichtig ist eine Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schiene und der Ausbau des Personennahverkehrs.

Insbesondere aber müssen ökologische Aspekte auch beim Ausbau der Infrastruktur eine stärkere Gewichtung finden. Wir kritisieren, dass sich alle drei verbliebenen Untersuchungsgebiete in besonders geschütztem Bannwald befinden, der Standort Allersberg/Pyrbaum zudem ein FFH und Natura 2000 Schutzgebiet umfasst und an ein Wasserschutzgebiet angrenzt. Die erheblichen Bedenken gegen die Raumverträglichkeit werden von diversen Stellungnahmen des Bund Naturschutz, betroffener Gemeinden und der Wasserversorger geteilt.

So fehlen beispielsweise Ausgleichsflächen, welche – wenn überhaupt - nur durch den Entzug von landwirtschaftlich bewirteten Flächen geschaffen werden können. Dies steht in unmittelbarer Konkurrenz zu der Landwirtschaft im Gemeindebereich. Auch haben wir erhebliche Bedenken an der Wirksamkeit von Ausgleichsmaßnahmen im Allgemeinen. Zum einen tritt der erwünschte Ausgleichseffekt erst nach Jahrzehnten ein und zum anderen wäre ein tatsächlicher Ausgleich nur dadurch zu erreichen, dass bereits versiegelte Flächen wieder renaturiert werden, statt eine bereits jetzt möglicherweise ökologisch wertvolle Fläche zur Ausgleichsfläche zu deklarieren. Die Wasserentnahme durch das Werk inklusive seiner Bodenversiegelungen ist laut Stellungnahme der Brunnbachgruppe nicht zu leisten.

Hinzu kommen die erheblichen Eingriffe in den Naherholungsbereich, die Zerschneidung eines streng geschützten Bannwaldes und die damit einhergehenden Konflikte zwischen privatwirtschaftlichen Raumnutzungsansprüchen und der ökologischen Belastbarkeit des Untersuchungsgebietes.

Zur ökologischen Belastung kommen auch ökonomische. Mit ca. 450 Mitarbeitern, Abtransport und Zulieferung wird, die ohnehin schon stark ausgelastete Verkehrsinfrastruktur weiter belastet. Den Ruf einiger Befürworter nach Schaffung neuer Arbeitsplätze teilen wir nicht. Im Landkreis Neumarkt herrscht nahezu Vollbeschäftigung und es fehlt an Arbeitskräften, nicht an Arbeitsplätzen. Lärm- und Lichtemission würden erheblich zunehmen und sowohl die Tierwelt als auch angrenzende Ortschaften wie Harrlach und Pruppach stark belasten.

Die erheblichen Bedenken gegen die Raumverträglichkeit des Standortes Allersberg/Pyrbaum wurden in der Stellungnahme der Marktgemeinde Pyrbaum erfreulicherweise klar und umfangreich thematisiert. Umso bedauerlicher finden wir, dass sich der Pyrbaumer Gemeinderat trotz dessen mit 7 Ja zu 11 Nein Stimmen nicht für ein ablehnendes Fazit zum ICE Werk entschieden hat. Andere Gemeinden haben es vorgemacht und klar NEIN gesagt!

Für uns ist klar: Klimaschutz braucht nachhaltige Infrastruktur, nicht Nachhaltigkeit hier gegen Umweltzerstörung dort. Leider erwecken die drei verbliebenen Standorte den Eindruck, dass ein weiteres Mal ökonomische Interessen vor ökologische gestellt werden. Die Deutsche Bahn AG muss – wie jede Aktiengesellschaft – die Interessen ihrer Aktionäre befriedigen. Dies geht nur durch den Ankauf ökonomisch „wertloser“ Waldgrundstücke. Wir sagen NEIN zu Greenwashing und fordern eine echte Verkehrswende statt Dividende!

 

 

 

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